Australien

Die grüne Seite Australiens

Markus Patho reiste im Juni in den Südosten Australien nach New South Wales. Dort zeigt sich Down Under von seiner grünen Seite. Eine faszinierende Tierwelt, entspannte Menschen und tolle Abenteuer gibt es auch im australischen Winter zu erleben, wie er feststellte

Ein lächelnder Mann mit Bart in Sicherheitsausrüstung steht auf einer Aussichtsplattform bei Nacht. Im Hintergrund ist die beleuchtete Skyline von Sydney mit dem markanten Sydney Opera House und der Hafenbrücke zu sehen. Lichter reflektieren im Wasser des Hafens, und die Stadt wirkt lebhaft beleuchtet. Textelemente im Bild weisen auf "The Vivid Sydney Climb" und "Bridgeclimb Sydney" hin.
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Die grüne Seite Australiens

Markus Patho reiste im Juni in den Südosten Australien nach New South Wales. Dort zeigt sich Down Under von seiner grünen Seite. Eine faszinierende Tierwelt, entspannte Menschen und tolle Abenteuer gibt es auch im australischen Winter zu erleben, wie er feststellte

Denkt man an Australien, stellt man sich unweigerlich das Outback vor: eine orange-rote Steppe mit vor Hitze flimmernder Luft und vereinzelt hoppelnden Kängurus. Aber Australien kann auch ganz anders: An der Ostküste dominiert die Farbe Grün die Szenerie, denn Ostwinde blasen beständig Feuchtigkeit vom Pazifik in die Region. Dadurch gedeihen hier dichte Eukalyptuswälder, in deren Baumwipfeln die possierlichen Koalas leben.

Ich reiste Anfang Juni nach Australien – mitten im australischen Winter. Daher war es bereits dunkel, als ich 19:15 in Sydney landete. Meine Reisegruppe und ich wurden zu unserem Hotel in Bondi Beach gefahren und gingen eine Pizza essen. Wir waren 5 Briten und 4 Deutsche. Obwohl wir uns gleich am Anfang die wichtigsten Schimpfwörter der jeweils anderen Sprache beibrachten, kamen selbige höchstens mal aus Spaß zum Einsatz.

Surfing Australia

Surfing Australia

Die erste richtige Aktivität unserer Reise war typisch australisch: Surfen! Im Winter? Nun ja, in Sydney herrschen im Juni in etwa dieselben Temperaturen wie in Deutschland im Mai. Des einen Winter ist des anderen Wonnemonat. Ein Sprung ins 18 °C kühle Nass war jedenfalls genau das Richtige nach der 30-stündigen Anreise. Wir genossen eine Surf-Lesson am Bondi Beach. Gleichmäßig brechende und nicht zu hohe Wellen bieten dort ideale Voraussetzungen für Anfänger. Der Neopren-Anzug wurde uns gestellt und unter der Anleitung professioneller Surflehrer machten wir schnell Fortschritte. Das Ganze ging zwar ganz schön auf die Arme, hat aber echt Spaß gemacht.

Und sportlich ging es weiter. Eine Radtour führte uns zu den Sehenswürdigkeiten von Sydney. Immer am Wasser entlang radelnd, bekamen wir die Oper, die Harbour Bridge, das Aquarium und den Botanischen Garten zu Gesicht – stets garniert mit interessanten Fakten durch unseren Guide.

Vivid Sidney – eine Stadt erstrahlt

Nach so viel körperlicher Ertüchtigung kam die Bootsfahrt am Abend gerade recht. Im Dunklen schipperten wir durch den Hafen von Sydney. Eine super Idee, denn just an jenem Wochenende fand das Vivid Sydney statt, eine Art Lichterfest, in der die Stadt in allen denkbaren Farben erleuchtet wird. Mich begeisterte vor allem die „Drohnenshow“, bei der aufeinander abgestimmte Drohnen 3-dimensionale Licht-Skulpturen. Unser Boot erwies sich als Logenplatz, denn im Gegensatz zu den dicht gedrängten Menschenmassen am Ufer Menschen genossen wir freie Sicht und Beinfreiheit.

Den darauffolgenden Donnerstag begannen wir mit einer Besichtigung des botanischen Gartens. Unsere Führung war auf einheimische Pflanzen und deren Nutzung durch die Aborigines ausgelegt. Die Australier besinnen sich zunehmend auf ihr indigenes Erbe und versuchen, das unermessliche Wissen dieser uralten Völker zu bewahren. Nicht ohne Stolz berichtete der Guide, dass er selbst indigene Vorfahren hatte.

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Besichtigung der Oper Sydney

Besichtigung der Oper Sydney

Kulturell Interessierte werden mich um den nächsten Programmpunkt beneiden:  Eine Hausbesichtigung der weltberühmten Oper in Sydney. Dort wurde richtig gearbeitet: Musiker stimmten ihre Instrumente, Techniker wuselten durch die Gänge. Um die Angestellten nicht abzulenken, war es verboten, zu fotografieren. Dafür knipste ich eine Robbe, die sich vor dem Gebäude auf einer Treppe sonnte. So etwas sucht man vor einem europäischen Opernhaus wohl vergebens.

Am späten Nachmittag schauten wir uns eine Multimedia-Lasershow in einem alten Tunnelsystem an. Sie war Teil des Vivid-Stadtfestes. Als wir wieder an die frische Luft traten war es bereits dunkel. Nun folgte das Highlight des Tages: Der „Bridge Climb“.

Besteigung der Harbour Bridge

Alternativtext: Mann mit Bart in blauer und grauer Kletterausrüstung posiert glücklich vor der nächtlichen Skyline von Sydney mit betonter Beleuchtung des Sydney Opera House, dem Hafen und umliegenden Gebäuden. Werbung für "The Vivid Sydney Climb" und "BridgeClimb Sydney" ist ebenfalls sichtbar.

Besteigung der Harbour Bridge

Bei diesem unvergesslichen Ausflug bestiegen wir den oberen Bogen der Harbour Bridge. Wir zogen lange Overalls an und streiften ein Klettergeschirr über. Mit einem Karabiner hakten wir uns in einem Metalllauf ein und marschierten los. Dabei genossen wir einen sagenhaften Blick auf die in allen Farben des Regenbogens erleuchtete Metropole. Am höchsten Punkt der Harbour Bridge querten wir die Fahrbahn über einen Steg. Auf der anderen Bogenseite stiegen wir langsam wieder herab. Ich fand es super. wer Höhenangst hat, muss sich für die 3-stündige Tour schon überwinden, aber für den Ausblick lohnt es sich!

In einem sehr guten Steakhouse ließen wir die Eindrücke Revue passieren. Ein tolles 3-Gänge-Menü kostete rund 80 € pro Person inklusive Getränke – nicht teurer als in Deutschland.

Raus in die Natur

Raus in die Natur

Am nächsten Morgen verließen wir Sydney und fuhren 2,5 Stunden in Richtung Norden. Ziel war die Bucht Port Stevens, die sich 20 km ins Landesinnere erstreckt. Dort begaben uns auf ein Boot für eine Delfin-Besichtigungstour. Dort draußen war es schon merklich kälter als in der Stadt aber dennoch weit von den winterlichen Temperaturen unserer Breiten entfernt. Nach etwa 40 Minuten Fahrt trafen wir tatsächlich auf 20–30 Delfine, die uns ein Stückchen begleitet haben. Das war schön, aber – Achtung Spoiler – nur ein kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Bootsausflüge!

Wir stärkten uns in einem Restaurant an der einer riesigen Dünenlandschaft namens Birubi Beach. Die Dünen dienten als Schauplatz unseres nächsten Abenteuers: Einer Quad-Tour. Was für ein Spaß! 30 Meter lange Dünen hinunterzupreschen hatte ich zwar nicht auf meiner Bucket List, bin aber froh es erlebt zu haben!

Gegen Abend erreichten wir unsere Unterkunft „Port Stephens Koala Sanctuary Glamping“. Dort werden verirrte und verletzte Koalas für die Wiederauswilderung aufgepäppelt. Sie leben in offenen Gehegen, können also theoretisch überall hin und sind gut zu sehen. Daneben gibt es schöne Ferienwohnungen in Zelten und Flachbauten.

australien-Meine Terrasse im Port Stephens Koala Sanctuary Glamping

Mein Zimmer im Port Stephens Koala Sanctuary Glamping

Markus Patho und sein Quad

Man with quads

Dünenlandschaft Birubi Beach

Wer findet den Koala

Port Stevens

Weingut und Wallabys

Weingut und Wallabys

Ein Weingut war unser nächstes Ziel. Australien ist schließlich bekannt für seine edlen Tropfen. Wir testeten Weine und schnabulierten an einer leckeren Wurst-/Käse-/Obstplatte herum. Leicht angeschickert wagten wir uns in einen Irrgarten aus Hecken, den der Winzer auf sein Gelände gepflanzt hat. Eigentlich wollten wir nur schnell durchlaufen, hatten uns aber deutlich überschätzt. Auf unsere Hilferufe hin kam der Winzer und holte uns durch einen Notausgang raus. Uns blieb nichts weiter übrig, als ihm zu seinem gut funktionierenden Labyrinth zu gratulierten.

Weiter ging die Reise in den „Billabong Koala and Wildlife Park“, einen Zoo mit 200 endemischen Tierarten. Die Stars des Parks sind Koalas und Wallabys (putzige Mini-Kängurus), die wir sogar mit der Hand füttern durften! Um das Naturerlebnis abzurunden, spazierten wir im Anschluss im nahegelegenen Regenwald des „Sea Acres Nationalparks“ über einen Baumwipfelpfad.

Mein erster Wal

Ein Mann mit Bart und Sonnenbrille lächelt in die Kamera, während er auf einem Boot sitzt. Er trägt eine Rettungsweste und im Hintergrund ist das Meer mit einer Küstenlinie und einem felsigen Vorgebirge zu sehen. Der Himmel ist klar und blau.

Mein erster Wal

Der nächste Tag war ein besonderer für mich, weil ich eine Premiere feierte. Heute stand eine „Ocean Blast Ride“ auf dem Programm (frei übersetzt: „über den Ozean blasen“). Mit einem 900 PS starken Boot rasten wir über das Meer – angeschnallt natürlich, denn Sicherheit wurde bei allen meinen Aktivitäten in Australien sehr ernstgenommen! Irgendwann tauchte etwas großes schwarzes vor uns aus dem Meer auf: ein Buckelwal! Der erste Wal meines Lebens. Ein erhebender Moment.

Auch heute besuchten wir einen Nationalpark: den „Dorrigo National Park“, der mit seinen Regenwäldern sogar als UNESCO-Weltnaturerbe gelistet wird. In wunderschönen Tiny Houses an der Küste (Reflections Moonee Beach) verbrachten wir die Nacht.

Der letzte volle Tag hatte noch ein absolutes Highlight im Petto. Wir machten Station in der Kleinstadt Byron Bay, ein Hippie- und Surfer Paradies und voller entsprechend illustrer Gestalten. Die können dort günstig einkaufen, denn einen Aldi gibt es auch. Mein bereits angesprochenes Highlight war aber nicht der deutsche Discounter, sondern eine Kajak-Tour.

Kajak-Tour vor Byron Bay

Bei der Begrüßung fragte der Tour-Guide in die Runde: „Who ist the oddest person?“ (wer ist der Verrückteste von euch?). Übermütig schrie ich „me“. Dies brachte mir einen Platz im Boot des Guides ein. Zu Beginn paddelten wir gegen die Wellen an, was wirklich herausfordernd war. Aber mit dem Paddelprofi als Steuermann hatte ich es besser, als die Laienruderer hinter mir, die zwar allesamt aus Rudernationen kamen, jedoch meines Wissens weder jemals im Deutschlandachter saßen, noch bei den Uni-Teams von Oxford oder Cambridge das Ruder schwangen. Eine Mitreisende wurde sogar so stark seekrank, dass sie unfreiwillig die Fische fütterte – sie konnte das, was uns bevorstand, leider nicht genießen.

Der Guide und ich fuhren vorneweg und befanden uns etwa auf Höhe des Leuchtturms von Byron Bay, als links von uns eine Wasserfontäne in die Höhe schoss. Kurz darauf erhob sich eine riesige Schwanzflosse aus dem Meer und peitschte laut klatschend auf die Wasseroberfläche. Es war eine Herde Buckelwale. Immer mehr Tiere schwammen heran, sprangen sogar aus dem Wasser. Wow! Demütig beobachteten wir das Schauspiel. Auf dem Rückweg gesellte sich auch noch ein Schwarm Delfine zu uns. Zum krönenden Abschluss „surften“ wir mit unserem Kajak auf den brechenden Wellen an Land. Ein perfekter Ausflug und mein absoluter Höhepunkt der ganzen Reise.

Nachtleben in Byron Bay

Nachtleben in Byron Bay

Noch völlig geflasht aßen wir in Byron Bay zu Abend. Dort bekamen wir ein „alternate drop“-Menü aufgetischt. Dabei werden rund um den Tisch je abwechselnd 2 Gerichte serviert. Die Idee dahinter ist, dass man mit seinem Nachbarn tauschen kann, wenn man mag. Diese sehr gesellige Form zu speisen passt zur australischen Mentalität.

Weil es ja unser letzter Abend war, stürzte ich mich mit 4 Mitreisenden ins Nachtleben von Byron Bay. Wir strandeten in der „Pianobar“. Dort standen 2 Klaviere in der Saalmitte, auf denen 2 Typen abwechselnd Wunschlieder aus dem Publikum performten. Bei den Songs grölte das Publikum von vorne bis hinten mit. Die Stimmung kochte. Bei meinem Wunschsong „99 Luftballons“ ist sie wahrscheinlich übergekocht, doch leider erlebte ich das nicht mehr mit. Wir mussten ins Bettchen, weil wir uns am nächsten Morgen 6:00 Uhr zum „Sunrise at Cape Byron“ am Leuchtturm trafen.

An den Sonnenaufgang erinnere ich mich aber nicht wirklich, weil die Buckelwale, die sich immer noch unterhalb des Leuchtturms tummelten, alle Aufmerksamkeit auf sich zogen. Ein opulentes Picknick am Strand mit Croissants, Säften, Käffchen und einer riesigen Auswahl Obst – alles regional und saisonal – bildete den Abschluss meiner Australienreise. 36 Stunden später betrat ich meine Wohnung in Leipzig.

Australien im Winter – lohnt sich das?

Ein entspannter Strandtag bei Sonnenuntergang. Personen sitzen und stehen im Sand, beobachten das Meer und genießen die Ruhe unter blauen Strandschirmen. Die Sonne steht tief am Himmel und das sanfte Licht schafft eine friedliche Stimmung.

Australien im Winter – lohnt sich das?

Klare Antwort: Absolut! Tagsüber herrschten meist über 20 °C – genug für einen Sachsen, um in kurzen Hosen und Flipflops unterwegs zu sein. Auch nachts ist die Temperatur noch weit vom Gefrierpunkt entfernt. Man erzählte mir, dass die australischen Tiere – Kängurus, Wallabys, Emus und Koalas – bei den niedrigeren Temperaturen aktiver und dadurch sichtbarer sind. Dafür muss man kürzere Tage in Kauf nehmen, die aber dennoch sehr ausgefüllt sein können, wie mich meine Reise lehrte. Super Essen, wunderschöne Natur, wildlebende Tiere, aufgeschlossene Menschen – das alles gibt es unabhängig von der Jahreszeit in Australien zu erleben.

Ich empfehle, Down Under auf einer Rundreise zu entdecken, weil das Land so unglaublich abwechslungsreich ist. Und wenn man schon so weit fliegt, möchte man auch viele Eindrücke sammeln. Sydney lässt sich auch als Stopover-Ziel nutzen: Halbieren Sie die Flugdauer, indem Sie ein paar Tage in Dubai, Bangkok oder Singapur einplanen.

Mein Fazit: Die grüne Seite Australiens ist ein Traumziel. Auch im Winter.

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